Dorfarchiv · Stand März 2020 · nicht die amtliche Seite der Ortsgemeinde — aktuelle Informationen unter mudenbach.com

 

Tour 1990 - Vorbereitung und Einstieg in den Berg

 

Zum kältesten Gipfel der Erde!


Die Ureinwohner Alaskas nennen ihn respektvoll "Denali " — was in der Sprache der Athabaskan Indianer "der Große" bedeutet. Mit einer Höhe von 6195 Metern ist der Mount McKinley der höchste Berg Nordamerikas. Aufgrund der extrem nördlichen Lage herrschen in den Hochregionen Temperaturen, die auch im Sommer nicht selten auf unter minus 40 Grad C absinken. Hier, an den höchsten Erhebungen Alaskas treffen die Wetterfronten der Polarmeere aufeinander, was tagelange Stürme mit unvorstellbaren Ausmaßen zur Folge hat. Das Zusammenwirken von großer Höhe, enormer Kälte und infernalen Stürmen macht den McKinley zu einem der extremsten Berge der Erde.


Der Mountaineering-Ranger lacht, als ich ihm den Namen unserer "Expedition" nenne: "Holiday on ice? Thats a good name!" meint er und sucht dabei in einem Ordner an unseren Papieren. Da wir die erforderlichen Formalitäten bereits vor einem halben Jahr erledigt haben, steht lediglich noch ein Informations-Video aus, das für jeden Bergsteiger obligatorisch ist. Hier in Alaska sieht man die Sache mit der Besteigungsgenehmigung des Mount McKinley nicht so eng. Wer es versuchen will, hat in der Regel auch den Segen der Ranger, denn die Alaska-Range sortiert ungeeignete "Bergfreunde" aus, bevor es richtig ernst wird.


Talkeetna hat sich in den letzten drei Jahren kaum verändert . Lediglich das neue Postgebäude ist inzwischen fertiggestellt worden. Ich fühle mich in diesem ehemaligen Goldgräbernest, mit seinen alten Häusern und Hütten aus der Pionierzeit, sofort wieder wie zuhause. Auch die freundlichen, unkomplizierten Menschen dieser kleinen Alaska-Town die für jeden Fremden ein Lächeln und ein herzliches "Hi" übrig haben, scheinen noch die gleichen wie vor drei Jahren zu sein.


Jim Okonek, unser Gletscherpilot, bringt schlechte Nachrichten. Das Wetter soll für mehrere Tage schlecht werden. Er bietet uns jedoch an, morgen in aller Frühe noch einmal zu fliegen. Bis weit nach Mitternacht verpacken wir unsere Ausrüstung und den Proviant für die kommenden Wochen am Berg. Bei gutem Wetter rollen wir am nächsten Morgen mit unserer voll gestopften Cessna zur Startbahn des kleinen Flugplatzes und lassen Talkeetna mit dröhnendem Motorenlärm unter uns. Es grenzt für mich an ein Wunder, daß die kleine Maschine vom Boden abgehoben hat. Lautstark versuche ich den Motorenlärm zu übertönen, um meinem Expeditionskameraden Georg das gigantische Umfeld der Alaska — Range zu erklären.


Der Flug über die traumhaft schöne Eiswelt gibt uns einen Überblick, in welchen Dimensionen wir die kommenden Wochen verbringen werden. Endlose Gletscherströme, neben denen die größten Alpengletscher nur unbedeutende Winzlinge wären, schlängeln sich unter uns durch eine wildzerklüftete Berglandschaft, um irgendwo in der Tundra zu einem der breiten Flüsse zu werden. Eine traumhafte Welt, die jedoch trotz aller Schönheit und Superlativen eine spürbar ernste Ausstrahlung besitzt. Wir erreichen den Kahiltna-Gletscher und schweben nach Osten zur Southeastfork, um unter der Nordwand des Mount Hunter zu landen. Nach zwei — drei wilden Sprüngen gleiten die Schneekufen unseres kleinen Vogels durch 20 cm Neuschnee (Bild 014) in einem Bogen zum Basislager. Nachdem unser Pilot wieder gestartet ist, packen wir die gesamte Ausrüstung für die erste Etappe und stapfen dem 30 km entfernten McKinley entgegen. Die ersten Tage auf dem Gletscher sind immer sehr schmerzhaft. Der Kreislauf und die Muskulatur müssen sich erst an die extreme Belastung und die Höhe gewöhnen. Jeder von uns trägt zunächst 35 kg mit einer Tragekraxe auf dem Rücken und zieht einen Schlitten mit weiteren 25 kg hinter sich her (Bild 015). Vor allem die Schultern und die Hüftgelenke leiden zunächst sehr unter der ungewohnten Traglast. Da der Gletscher bald erheblich steiler wird, ist es unmöglich das ganze Gepäck auf einmal zu transportieren. Fortan müssen wir die Strecke zwischen den Lagern zweimal bewältigen.


In den folgenden Tagen ist das Wetter meist recht gut (Bild 016), lediglich am Kahiltna Pass werden wir von schlechtem Wetter einen Tag festgehalten (Bild 017).
Über Windy Corner, einer Passage in ca. 4000 m Höhe, die bei Sturm große Probleme machen kann, erreichen wir am fünften Tag einen idealen Lagerplatz. Hier, unter der steilen Eisflanke, die zur West Buttress hinaufleitet, hat sich ein kleines Zeltdorf gebildet. Etwa zwölf Zelte mit vorwiegend amerikanischen Bergsteigern befinden sich auf dem ebenen Platz - unter dem ersten wirklich ernsten Hindernis (Bild 018)!

 

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Tour 1990 - Der Eissturm hat uns im Griff

 

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